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Bauen ist ein Kampf mit dem Wasser (Raimund Probst)
Bei Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS) werden die Dämmplatten geklebt, ggfs. auch zusätzlich gedübelt. Dann wird die Putzschale (mind. Unterputz mit Gewebeeinlage und Oberputz) aufgebracht. Kaum jemand fragt sich, wie dick der Plattenkleber aufgebracht werden darf. Denn auch dazu gibt es genaue Vor- schriften in den AbZ. Hierzu muß man mehreres beachten. Zunächst die Klebefläche. Die Zulassungen sagen mind. 40 % (je nach System auch mehr, genaue Auskunft gibt die AbZ). Gehen wir von diesem Wert aus, weil er am häufigsten anzutreffen ist. Dann das Plattenmaß: Ein häufiges beträgt 100 x 50 cm. Daraus ergibt sich die max. Klebefläche mit 0,5 m² (in aller Regel dürfen Dämmplatten auch vollflächig geklebt werden, was aber nur selten vorkommt und nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt ist, die in der AbZ geregelt sind). Bei einer Dämmplatte 100 x 50 cm müssen also mind. 40% verklebt werden, das sind 0,2 m². Wie diese 40 % aufge- bracht werden soll hier nicht das Thema sein, das ist in einem früheren Beitrag beschrieben (Kleben oder nicht kleben). Jetzt kommt das Entscheidende: In jeder AbZ sind Auftragsmengen des Klebers vorgeschrieben (min. … max.). Für jeden Klebemörtel werden dabei Auftragsmengen (nass) gesondert vorgegeben. Je nach System und AbZ können ein bis mehrere Klebemörtel einge- setzt werden, wobei wiederum die gesamten Regelungen der ABZ zu beachten sind. In einer aktuellen AbZ sind 10 verschiedene Klebemörtel genannt mit unterschiedlichen Auftragsmengen, z.B.: 4,0-5,0 oder 3,0-4,5 oder 3,0-5,0 kg/m², usw. Nehmen wir den letzten, dann dürfen max. 5,0 kg/m² Kleber aufgetragen werden. Eine Dämmplatte hat 0,5 m², also dürfen auf eine Platte max. 2,5 kg Kleber aufgetragen werden. Diese 2,5 kg beziehen sich auf den nassen, fertig angerührten, Klebemörtel. Nun könnte man meinen, daß in der Praxis diese 2,5 kg für jede Dämmplatte abgewogen werden. Stellen Sie sich vor, bei Tausenden von Dämmplatten (2000 m² Dämmfläche ergeben mind. 4000 Dämmplatten) müßte am Gerüst stets eine robuste und relativ genaue (auf 100 g) Waage mitgeführt werden. Das macht niemand, die Waage wäre in kürzes- ter Zeit kaputt. Der Kleber wird in der Regel von Hand mit der Kelle „frei Schnauze“ aufgetragen. Wer könnte da sicherstellen, daß max. 2,5 kg / Platte aufgetragen werden? Klebermasse (nicht -menge!) auf 100 g genau von Hand frei abschätzen? Wie kann die max. Auftragsmenge dennoch überprüft bzw. im Vorhinein berechnet werden? Es geht nur mit Hilfe der Dichte des Nassmörtels! (nicht: Wichte oder spezifisches Gewicht!) Diesen Wert werden Sie aber, höchstwahrscheinlich, nicht im Technischen Merkblatt finden, in der AbZ ganz sicher nicht. Man muß den Hersteller extra befragen! Ich habe das mal gemacht und erhielt Angaben für 6 verschiedene Dämmplattenklebemörtel zwischen 1,3 und 1,75 kg/dm³ (Wasser zum Vergleich hat die Dichte 1 kg/dm³, also 1 kg je Liter). Nehmen wir den höchsten Wert 1,75 kg/dm³ oder 1750 kg/m³. Dann stellen wir uns einen Würfel mit der Kantenlänge 1 m vor: Schneiden Sie jetzt in Gedanken eine „Scheibe“ von 1 cm Höhe ab: Dann hat diese „Scheibe“ von 1 m² und 1 cm Dicke nun eine Masse (nicht Gewicht!) von (1750 /100), also 17,5 kg. Die Mindestklebefläche beträgt 40 %, dann wären bei 1 cm Kleberdicke bereits 6,8 kg/m² drauf! Dieser Klebemörtel darf laut AbZ aber nur mit max. 5,0 kg/m² aufgetragen werden! Also müssen wir die Kleberdicke verringern! So kommen wir rein rechnerisch auf 0,735 cm oder auf etwas mehr als 7 mm! Bei einem anderen, ebenfalls konkret abgefragten Mörtel mit der Rohdichte von 1300 kg/m³ und einer Maximalmenge von ebenfalls 5,0 kg/m² wird bei 40 % Klebefläche 5,2 kg/m² Kleber aufgetragen. Er dürfte also, rein theoretisch, max. 9 mm dick aufgetragen werden (baupraktisch, ohne dies jetzt groß nachzu-rechnen)! Sehr viel weniger als eine Rohdichte eines Klebemörtels von 1300 kg/m³ wird kaum anzutreffen sein, Wasser hat zum Vergleich die Dichte 1000 kg/m². Ein bißchen Klebematerial (Bindemittel, …) sollte dann schon drin sein… Bei einer Klebefläche von 0,2 m² / Platte dürfen also (bei diesen abgefragten 6 Rohdichten) zwischen 7 und 9 mm Kleber aufgetragen werden! Machen wir uns eine einfache Formel: Rohdichte / 1000 = Klebemasse/m² * Mindestklebefläche = Auftragsmenge nass je mm Schichtdicke Erhöht sich die Klebefläche, verringert sich die zulässige Kleberdicke, das ist nur logisch! In der Praxis sind in aller Regel aber deutlich mehr als 7 oder 9 mm Kleberdicke anzutreffen, ca. 10 bis 15 mm und teils noch weit darüber! Und wohlgemerkt: All dies ergibt sich zwangsläufig aus den AbZ! Diese Werte sind einzuhalten! Und es kommt etwa hinzu: Je nach System dürfen Unebenheiten des Untergrunds bis zu 1cm/m mit dem Kleber aus- geglichen werden (nur geklebte Systeme) oder 2 cm/m bei geklebt und gedübelten Systemen. Die Auftragsmenge erhöht sich dabei fast zwangsläufig, denn welcher Verarbeiter nimmt darauf Rücksicht? Er müßte dann, bei einer Unebenheit von 2 cm/m in der Mitte mehr, an den Rändern weniger auftragen. Zeige mir einer diesen Verarbeiter, der dies a) weiß, b) ausrechnen könnte (Platte für Platte) und c) dies auch tatsächlich machen würde. Das würde ich als Sisyphos-Aufgabe bezeichnen. Alleine auch dieses auszurechnen, behaupte ich mal, wäre bereits ein Mathematiker nötig. Daß also die Mindestklebe- fläche nicht unterschritten und die max. Kleberauftragsmenge nass nicht überschritten würde! Und über die Frage, wie denn eine Minimalmenge (auch die ist ja vorgeschrieben in den AbZ) gleichzeitig berücksich- tigt werden soll. Mit praktisch möglicher Bauausführung hat dies lange nichts mehr zu tun! Das DIBT und die Hersteller von Dämmsystemen wird man dazu mal befragen müssen. (zurück)

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WDVS: maximale Kleberdicke?

(18.03.20)