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Bauen ist ein Kampf mit dem Wasser (Raimund Probst)

Wasserdampf und Bauschäden

(30.12.19)

Was hat das miteinander zu tun? Wärmere Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen als kühlere. Beispiel: Bei 10 °C sind es max. 9,4 g, bei 20 °C max. 17,3 g (immer je m³), siehe folgendes Diagramm: Nun ist es so, daß das in der Luft gasförmig enthaltene Wasser bei Abkühlung wieder flüssig wird, sprich kondensiert. Nehmen wir das obige Beispiel. Luft wird von 20 auf 10 °C abgekühlt. Hat sie bspw. eine rel. Feuchte von 70 %, sind 0,7 x 17,3, also 12,1 g Wasser enthalten. Nachdem die Luft bei 10 °C max. nur noch 9,4 g aufnehmen kann, wird der Überschuß (2,7 g) wieder flüssig. (Erläuterung: „rel. Feuchte“ bedeutet das Verhältnis der tatsächlich enthaltenen Menge zur max. möglichen) Dieses flüssige Wasser lagert sich dann ab wo es kann. Ist der Untergrund saugfähig nimmt er es auf (z.B. Holz, Verputz, Textilien). Wird die Menge zu groß, zeigen sich sogar Wassertropfen oder feuchte Stellen (meist dunkler). Aber auch an nicht saugfähigen Oberflächen lagert sich kondensierendes Wasser ab. Denken Sie an Flaschen, die aus dem Kühlschrank genommen werden, hier passiert genau das gleiche. Aus der deutlich wärmeren Raumluft kondensiert der Wasserdampf nach kurzer Zeit sichtbar an der Flaschenaußenseite. Oder feuchtwarme Raumluft gelangt im Winter an die Innenseiten der Fensterscheiben. Oder sie steigen im Winter in ein kaltes Auto. Schnell beschlagen die Scheiben durch die Ausatemluft. Immer ist Abkühlung und Kondensation im Spiel.
In Bezug auf Bauschäden ist nun wichtig, wie lange solches Kondenswasser auf den Oberflächen oder in den Baustoffen verbleibt. Je länger, desto größer die Schadenswahrscheinlichkeit. Dabei muß man 3 Effekte unterscheiden: 1. Werden saugfähige Baustoffe lange Zeit benäßt, werden die Baustoffe selbst angegriffen (z.B. Holz, Putz, Beton, Stahlbeton, Papiertapeten, Klebemassen, etc.). 2. Langanhaltende Benässungen bergen immer die Gefahr unerwünschten Bewuchses in sich (Schimmel, Algen, Moose, Flechten, … Fachausdruck: mikrobieller Befall). Hierbei ist es gleichgültig, ob es sich um saugfähige Baustoffe handelt oder nicht. 3. Wenn Wasser gefriert, dehnt es sich aus (ca. 9 %). Dabei entstehen enorme Sprengdrücke, bei -5 °C ca. 50 MPa (sprich Megapascal; 1 MPa = 10 bar), also ca. 500 bar! Zum Vergleich: Ein Beton der Festigkeitsklasse C20/25 hat eine Druckfestigkeit von etwa 20 MPa. Man kann sich also leicht vorstellen, was Eis in Baustoffporen oder in Fugen, Schlitzen, Hohlkammern, Hohlräumen, etc. anrichten kann. Will man also Bauschäden vermeiden, muß man (auch) auf trockene Baustoffe und Oberflächen achten. Kann eine Benässung nicht vermieden werden, müssen die Baustoffe möglichst wasserunempfindlich sein und/oder man muß für schnelle Wasserableitung oder Rücktrocknung sorgen. (zurück)
Wieviel Wasserdampf die Luft max. aufnehmen kann ist abhängig von der Temperatur