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Bauen ist ein Kampf mit dem Wasser (Raimund Probst)
In der Baupraxis kommt es immer wieder zu Unstimmigkeiten, wie denn „Unebenheiten“ von Oberflächen zu messen sind. Dabei wird immer auf die DIN 18202 (neueste DIN-Versionen immer unter www.beuth.de) Bezug genommen. Zunächst sei erwähnt, daß die Norm häufig falsch angewendet wird (siehe bspw. diesen Artikel in einer Fachzeitschrift, Abb.2, wo noch nicht einmal ein Hochpunkt zu erkennen ist, auf dem die Richtlatte aufliegt). Es gibt auch Fälle, in denen diese Norm überhaupt nicht anzuwenden ist, hierzu in einem späteren Beitrag mehr. Heute will ich erstmal zeigen, wie richtig gemessen wird nach DIN 18202. Nach der Norm (derzeit aktuell Ausgabe 2019-07) sind „Grenzwerte für Ebenheitsabweichungen“ (Normtext) als „Stichmaße“ festgelegt. Stichmaß wiederum wird definiert als „Abstand eines Punktes von einer Bezugslinie als Hilfsmittel zur Ermittlung der Winkel- oder Ebenheitsabweichung“. Nach DIN 18202 gibt es 2 Verfahren, dieses Stichmaß zu ermitteln: Einzelmessungen mit einer Richtlatte oder Messen der Abstände zwischen rasterförmig angeordneten Messpunkten und einer Bezugsebene (= Flächennivellement). Das in der Praxis meist angewendete Verfahren ist das Einzelmessverfahren mit Richtlatte und Meßkeil. Um dieses soll es nachfolgend gehen: (aus Urheberrechtsgründen keine Originalzeichnung aus der Norm) Das Stichmaß wird zum Meßpunktabstand ins Verhältnis gesetzt, beide gehören immer zusammen. Die Angabe eines Stichmaßes ohne zugehörigen Hochpunktabstand ist sinnlos! Die Tabelle 3 aus der DIN gibt nun die bei bestimmten Hochpunktabständen maximal „zulässigen“ Stichmaße an. Für „flächenfertige Wände“ (Zeile 6) sind dies 5 mm bei einem Hochpunktabstand von 100 cm (wie im Bild), bei 4 m sind dies 10 mm, bei 10 m sind es 20 mm, bei 15 m sind es 25 mm. „Zwischenwerte sind Bild 6 und Bild 7 zu entnehmen und auf ganze Millimeter zu runden“ (Fußnote a der Tabelle 3). Zu beachten: „Die Grenzwerte für Ebenheitsabweichungen der Spalte 6 gelten auch für Messpunkt-abstände über 15 m.“ Über 15 m gibt es also nur noch 25 mm als zulässiges Stichmaß, nicht mehr. Das Stichmaß wird mittels Meßkeil an der tiefsten Stelle zwischen 2 Hochpunkten ermittelt. Ein solcher Meßkeil ist in der Norm aber nicht definiert (man google „Meßkeil“ und erhält zahlreiche Bilder unterschiedlichster Meßkeile. Bei diesen ist problematisch, daß sie unterschiedlich breit sind und damit der „wahre Wert“ des Stichmaßes verfälscht wird, je breiter, desto geringer wird das Stichmaß…). Besser ist, bei glatten Untergründen, ein digitaler Meßschieber, bei dem man mit dem ausfahrbaren Stift 2 Messungen (Abstand Oberkante Richtlatte zu Untergrund, Höhe der Richtlatte) macht und die Werte voneinander abzieht (Differenzmethode). Bei rauhen Untergründen (z.B. Putzkörnungen) werden aber auch die Ergebnisse schnell verfälscht, weil kaum kontrolliert werden kann, ob nun in einem Korntal (zwischen zwei Putzkörnern) oder auf einem Putzkorn (der „Kornspitze“) der dünne Stift zu liegen kam. Bei einer 3 mm Putzkörnung kann dies bereits den entscheidenden Unterschied zwischen noch zulässig und nicht mehr zulässig ausmachen. Tip: Um den Hochpunktabstand genauer zu ermitteln, als dies mit bloßem Auge meist möglich ist, helfen 2 Blätter Papier. Sie werden beidseits unter die Richtlatte geschoben, bis der erste leichte Widerstand zu spüren ist. Die Außenkanten zeigen die Hochpunkte an, diesen Abstand kann man nun genauer messen (und auch leichter auf einem Foto dokumentieren.) Überhaupt ist in der Norm festgelegt (in Ziffer 6.1; kaum jemand hält sich aber daran), daß „das angewandte Messverfahren und die damit verbundene Messunsicherheit anzugeben und bei der Beurteilung zu berücksichtigen sind.“ Genau das ist aber mit entscheidend für eine korrekte Beurteilung. (zurück)

Unebenheiten messen (DIN 18202)

(22.01.20)